Tiefe
Gleiches Kapitel, drei Tiefen. Die Wahl gilt überall und bleibt gespeichert.

GrundlagenVibe-Coding / Agentic EngineeringKapitel 06von 13 im Pfad

Wissensbasis im Vault

Tiefe 1: Überblick · Lesezeit 9 Min. · Stand

Vier der fünf Orte aus Kapitel 05 liegen im Projekt oder im Werkzeug. Der fünfte liegt daneben, und er ist der einzige, der etwas kann, was die anderen nicht können: Wissen halten, das über ein einzelnes Projekt hinausreicht.

Wofür sich das eignet

Was hier zählt, sind die Markdown-Dateien in einem gewöhnlichen Ordner. Obsidian ist eine Ansicht darauf, austauschbar gegen jeden anderen Editor, weit verbreitet und mit einer brauchbaren Suche. Das nützt in einem Vibe-Coding-Projekt an mehreren Stellen:

  • Eigene Notizen. Was Sie selbst festhalten, in derselben Form wie das, was ein Agent schreibt.
  • Übergabedateien. Ein Stand, den eine Sitzung für die nächste hinterlässt, oder für jemand anderen.
  • Lesbarer Text. Eine Markdown-Datei öffnet sich in jedem Editor und bleibt lesbar, wenn Obsidian längst durch ein anderes Programm ersetzt ist.
  • Langfristiger Austausch mit einem Agenten, über ein einzelnes Gespräch hinaus.
  • Die Wissensbasis, um die es in diesem Kapitel geht.

Warum überhaupt daneben

Drei Sorten Wissen passen in keine Projektdatei.

Wissen über mehrere Projekte. Wie Sie arbeiten, welche Entscheidungen Sie in ähnlichen Fällen schon getroffen haben, was sich woanders bewährt hat.

Wissen, das kein Code ist. Fachliches, Rechtliches, Marktbeobachtungen, gelesene Arbeiten. Es gehört zur Sache und in kein Repository.

Wissen, das zu groß ist. Eine Projektanweisung soll unter zweihundert Zeilen bleiben. Eine Sammlung, die über Monate wächst, hat vierhundert Seiten.

Das Muster

Andrej Karpathy hat dafür im April 2026 eine Beschreibung veröffentlicht, die inzwischen als Vorlage dient. Der Kern ist der Unterschied zu dem, was die meisten mit Dokumenten und Modellen machen.

Der übliche Weg lädt Dokumente hoch, sucht bei jeder Frage die passenden Stücke heraus und formuliert daraus eine Antwort. Das funktioniert, und es fängt bei jeder Frage wieder von vorn an. Nichts baut sich auf.

Das Muster dreht die Reihenfolge um: Der Agent liest eine neue Quelle einmal und arbeitet sie in eine bestehende Sammlung von Notizen ein. Er ergänzt Einträge, aktualisiert Zusammenfassungen und vermerkt, wo neue Angaben alten widersprechen. Karpathy fasst den Unterschied in einem Satz:

This is the key difference: the wiki is a persistent, compounding artifact. (externe Seite, gist.github.com)

Was einmal verstanden wurde, steht danach da. Die Querverweise sind gezogen, die Widersprüche markiert. Die nächste Frage setzt darauf auf.

Drei Schichten

Der Aufbau ist einfach genug, um ihn an einem Nachmittag anzulegen.

Die Rohquellen. Artikel, Arbeiten, Notizen, Mitschriften, alles in einem eigenen Verzeichnis. Diese Dateien sind unveränderlich: Der Agent liest daraus und schreibt niemals hinein. Das ist die Grundlage, auf die sich alles Weitere berufen muss.

Das Wiki. Ein Verzeichnis mit Notizen, die der Agent schreibt und pflegt. Zusammenfassungen, Begriffsseiten, Vergleiche, eine Übersicht. Diese Schicht gehört ihm allein: Sie lesen sie, er schreibt sie.

Das Schema. Eine Datei, die dem Agenten sagt, wie die Sammlung aufgebaut ist und wie er damit umzugehen hat. Das ist dieselbe Sorte Datei wie in Kapitel 03, hier für einen anderen Zweck.

Eine einzelne Quelle wird gelesen und berührt danach mehrere Seiten des Wikis. Das Verhältnis eins zu vielen: Eine einzelne Quelle geht hinein und berührt danach mehrere Seiten. Damit wird sichtbar, warum das Aufnehmen die aufwendigste der drei Handlungen ist. EINE QUELLE, VIELE SEITEN Quelle neu abgelegt Agent liest und ordnet ein neue Zusammenfassungsseite Begriffsseite ergänzt Übersicht nachgezogen Widerspruch vermerkt Protokoll fortgeschrieben DIE QUELLE BLEIBT, WIE SIE WAR

seitlich verschiebbar

Rohquellen bleiben unangetastet, das Wiki wird geschrieben und gepflegt, das Schema sagt wie. Die Richtung ist immer dieselbe.

eigene Darstellung, Stand 03.08.2026

Wo das liegt

Die Sammlung braucht kein besonderes Programm. Es sind Markdown-Dateien in einem Verzeichnis, und genau das macht sie für einen Agenten zugänglich: Er liest und schreibt sie mit denselben Werkzeugen wie Quelltext.

Verbreitet ist Obsidian als Ansicht darauf, weil es dasselbe Verzeichnis darstellt, ohne es umzuformen:

Obsidian stores notes privately on your device (externe Seite, obsidian.md)

Karpathy beschreibt die Arbeitsteilung anschaulich:

Obsidian is the IDE; the LLM is the programmer; the wiki is the codebase. (externe Seite, gist.github.com)

Sie sehen also links den Agenten arbeiten und rechts das Ergebnis wachsen, mit Verweisen, Graphenansicht und Suche.

Warum das vorher nicht ging

Der Grund ist bemerkenswert unspektakulär, und Karpathy benennt ihn:

Humans abandon wikis because the maintenance burden grows faster than the value. (externe Seite, gist.github.com)

Das Lesen und das Denken waren nie das Problem. Das Problem war die Buchhaltung: Querverweise nachziehen, Zusammenfassungen aktuell halten, bemerken, dass eine neue Quelle einer alten Aussage widerspricht. Diese Arbeit wächst mit jeder Seite, und Menschen hören irgendwann auf.

Eine Maschine hört nicht auf. Damit verschiebt sich, was sich lohnt.

Quellen

6 Einträge, davon 1 Schlüsselarbeitalle erreichbar

Erreichbarkeit automatisch geprüft

  • SchlüsselarbeitOriginalarbeiterreichbar

    Andrej Karpathy, LLM Wiki (externe Seite, gist.github.com)

    gist.github.comgeprüft 24.09.2026

    Karpathys Beschreibung eines Musters für persönliche Wissensbasen, veröffentlicht am 04.04.2026 als Gist unter seinem eigenen Konto. Drei Schichten: unveränderliche Rohquellen, ein vom Modell geschriebenes und gepflegtes Wiki aus verlinkten Markdown-Dateien, und eine Schemadatei, die dem Agenten sagt, wie beides zusammenhängt. Die Abgrenzung zu RAG steht ausdrücklich darin, ebenso Obsidian als Ansicht und der Hinweis, dass ein solches Wiki schlicht ein Git-Verzeichnis voller Markdown-Dateien ist. Der Text ist absichtlich abstrakt gehalten und dafür gedacht, einem Agenten vorgelegt zu werden.

  • Werkzeugerreichbar

    Obsidian (externe Seite, obsidian.md)

    obsidian.mdgeprüft 24.09.2026

    Die Projektseite von Obsidian, einem Notizprogramm, das seine Dateien als gewöhnliches Markdown im Dateisystem ablegt statt in einer Datenbank oder bei einem Anbieter. Genau diese Eigenschaft macht es für die Arbeit mit Agenten brauchbar: Was dort liegt, kann ein Agent mit denselben Werkzeugen lesen und schreiben wie Quelltext, und es lässt sich versionieren.

  • Dokumentationerreichbar

    Model Context Protocol, Spezifikation (externe Seite, modelcontextprotocol.io)

    modelcontextprotocol.iogeprüft 24.09.2026

    Die jeweils maßgebliche Fassung des Standards, über den ein Sprachmodell an fremde Tools und Datenquellen kommt. Die Adresse leitet auf die aktuelle Fassung weiter, seit dem 28.07.2026 auf 2026-07-28.

  • Originalarbeiterreichbar

    Retrieval-Augmented Generation for Knowledge-Intensive NLP Tasks (externe Seite, arxiv.org)

    arxiv.orggeprüft 24.09.2026

    Lewis und Mitautoren beschreiben am 22.05.2020, wie ein Modell passende Textstellen nachschlägt und mit in den Kontext nimmt, statt sich auf Gelerntes zu verlassen. Das Verfahren heißt seitdem RAG und ist der übliche Weg zu Antworten aus eigenen Dokumenten. Der Suchteil ist dort bereits vortrainiert, abgestimmt wird die Kopplung zwischen Suche und Erzeugung; heutige Aufbauten setzen eine Suche vor ein fertiges Modell und übernehmen nur den Namen. Die Zusammenfassung nennt bessere Ergebnisse als eigenes Resultat, und genau dieser Teil fällt beim Zitieren regelmäßig weg.

  • Artikelerreichbar

    My AI Adoption Journey (externe Seite, mitchellh.com)

    mitchellh.comgeprüft 24.09.2026

    Mitchell Hashimoto beschreibt am 05.02.2026 seinen Weg zur Arbeit mit Agenten. Der fünfte Abschnitt heißt „Engineer the Harness“ und ist die Stelle, an der das Wort seine heutige Bedeutung bekommt: Der Autor sagt selbst, dass er keinen eingeführten Ausdruck dafür kennt, und vergibt einen. Damit ist die Prägung belegt und zugleich, dass es vorher keinen Namen gab.

  • Artikelerreichbar

    The Anatomy of an Agent Harness (externe Seite, blog.langchain.com)

    blog.langchain.comgeprüft 24.09.2026

    Vivek Trivedy zieht am 11.03.2026 die Definition nach, die sich durchgesetzt hat: Alles, was nicht das Modell ist, gehört zum Harness. Die Quelle für die Formel, mit der der Begriff heute erklärt wird.

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